Hallo
Ein interessantes Thema, welches hier angeschnitten wird.
Ich selber betreibe diese Art der Haltung mit meiner 15er Gruppe seit einiger Zeit ebenfalls und habe mich auch schon intensiv mit dieser Art der Haltung auseinander gesetzt. Die besagte Homepage die hier bereits genannt wurde nennt sich
www.freilaufkaninchen.de , falls ich diese hier einfach mal so frei posten darf.
Die Freilaufhaltung ist nicht einfach ein Aussetzen von Kaninchen auf einer Wiese, wo man sie dann 24 Stunden am Tag sich selbst überlässt oder sich um die Tiere keine Gedanken machen würde. Die Freilandhaltung hat, in meinen Augen, einige feste Regelungen, die eingehalten werden sollten, damit diese Art der Haltung zum Wohl der Tiere praktiziert wird und nicht zu deren gesundheitlichen Nachteil.
Direkt zu Beginn sei gesagt, dass die Freilandhaltung gewiss ein sehr gewagtes Thema ist und auch sehr umstritten. Letzten Endes hängt diese Haltung rein von dem Halter ab, der dies mit seiner Moral verbinden muss. Nicht jeder kann es mit sich selbst vereinbaren die Kaninchen für eine eventuell höhere Lebensqualität einem Risiko auszusetzen und mit definitiv nicht jedem Tier ist eine solche Haltung überhaupt machbar.
Daher ist einer der wichtigsten Punkte bei dieser Haltung, das genaue Beobachten der Tiere. Sowohl sehr intensiv vor Beginn dieser Haltung im Freilauf unter Aufsicht, als auch während der Haltung. Wenn man Kaninchen mal in einfach zwei Gruppen einteilen würde, hätte man auf der einen Seiten "Eventuell Freilandhaltungsgeeignete Tiere" und auf der anderen Seite die "Freilandungeeigneten Kaninchen".
Ein Kaninchen was in einer solchen Haltung gehalten wird, sollte trotz Domestikation ein gewisses Maß an Instinkt behalten haben. Wichtig hierbei ist, dass ein instinktfernes Tier in Innenhaltung, nicht zwanghaft auch in Aussenhaltung noch instinktfern ist. Dort muss über längeren Zeitraum im, unter Aufsicht stattfindenden, Freilauf genau beobachtet und analysiert werden.
Der von euch bereits angesprochene Platz spielt ebenso eine mehr als große Rolle. Zum Flüchten braucht ein Kaninchen einiges an Platz, weshalb die Freilandhaltung auch nicht in jedem Garten überhaupt machbar ist. Gewisse Kreterien muss auch dort erfüllt sein, nicht nur was den Platz angeht:
Das Kaninche benötigt eine Fläche, von mind. 300qm (Dies ist eine allgemeine Meinung. Ich persönlich würde den Platzbedarf höher setzen), um vor Wildtieren gegeben falls flüchten zu können.
Man sollte eine Freilandhaltung nicht unbedingt an sehr, von Wildtieren besiedelten, Gegenden Betreiben. Aus reinen Sicherheitsmaßnahmen.
Das gesammte Freilauf-Gehege sollte nicht mit Bäumen zugestellt sein. Dies hat sowohl einen großen Vor- als auch einen Nachteil. Man kann nun zwar argumentieren und sagen, dass so die Greifvögel eine bessere Sichtfläche hätten, aber man kann auch genau andersrum Argumentieren. Ein Kaninchen, das zwischen Bäumen sitzt, sieht den heranfliegenden Greifvögel ebenso wenig und haben nicht die Chance rechtzeitig in eins der Unterschlüpfe (die in großen Mengen überall verteilt und binnen Sekunden zu erreichen sein müssen) zu gelangen. Zudem können die Greifvögel bei vielen Bäumen sich auch mal unbeachtet auf Ästen niederlassen und von dort in aller Ruhe angreifen.
Wenn viele Wildkaninchen in der Nähe sein sollten, sollte als reine Sicherheitsmaßnahme eine vorsorgliche Kastration der weiblichen Kaninchen vorgenommen werden, um eine Kreuzung aus Wild- und Hauskaninchen zu vermeiden. Dies hat den angenehmen Effekt, dass auch die Gebährmutterveränderungen nicht mehr gegeben sind, aber das wäre wieder ein vollkommen anderes Thema.
Die Angebotene Futtermöglichkeit ist ebenso ein wichtiger Aspekt dieser Art der Haltung. Sie vermindert das Risiko einen Ausbruchs der Tiere ungemein (zusätzlich muss ein sicherer, ausreichend hoher, Zaun vorhanden sein, welches zusätzlich töglich auf Schwachstellen kontrolliert werden muss). Kaninchen sind generell sehr Reviertreu, und verlassen das Revier ausschließlich bei Futtermangel, oder wenn sie aus der Gruppe vertrieben werden. Wenn kein Futtermangel herrscht und eine harmonische Gruppe existiert ist die Chance eines Ausbruchs gering.
Die Gruppengröße spielt meiner Meinung nach auch einen sehr großen Teil zum Funktionieren dieser Haltung bei. Ein Pärchen würde ich selber nicht in dieser Art der Haltung setzen, da die Rangordnung dort vollkommen anders ist als bei einer Gruppe. Ich merke es an meiner Gruppe. Jedes Tier hat eine bestimme Aufgabe zum Gruppenleben beizutragen und trägt auch einen Teil zum Schutz der Gruppe bei.
Nachts sollten die Tiere natürlich eingesperrt werden und nicht einfach ihrem Schicksahl überlassen werden. Auch tagsüber halte ich es für wichtig, dass in regelmäßigen Abständen ein Blick raus gewurden wird.
Für mich ist diese Haltung für instinktnahe Tiere, eine der besten und natürlichsten Möglichkeiten, die mir bisher bekannt sind.
Auch was das Reißen von Greifvögeln angeht, wird leider oft maßlos übertrieben. Statistiken gibt es darüber keine und man geht davon aus, dass in der Wohnungshaltung durch verschiedene Aspekte (Luftregulierung, etc.) um einiges mehr Risiken gebildet werden, als bei der Freilandhaltung.
LG