Marah
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« am: Dezember 04, 2010, 18:06:15 » |
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Autor: Carmi
Stellen wir uns einen winterlichen Wald im Mondlichtschein vor. Eine weiße Schneeschicht hat die Bäume bedeckt, dass nur die Silhouetten zu sehen sind. Sanft glitzert der Schnee, als wären tausend kleine Sternen gelandet. Auf einer Lichtung sehen wir eine urromantische Blockhütte aus Holz. Zwei Fenster sind sanft erleuchtet, so schön warm und einladend. Wenn wir uns dem Fenster leise nähern, sehen wir darin einen großen Weihnachtsbaum, perfekt geschmückt mit Lichtern, Kugeln und Süßigkeiten. Es duftet nach Keksen und Zimt. Ein melodisches Trällern eines bekannten Weihnachtsliedes harmoniert dazu. Eine etwas beleibte Frau in einem roten Kleid mit einer weißen Schürze wirbelt in der Küche umher und bäckt fleißig – die Hexenmama. Ja, sie möchte alles wunderbar perfekt haben. „Hach, es wird wunderbar perfekt!“ trällert sie. Ja, Hexenmama, wir wissen es. „Huch, die Lichter sind ja aus!“ erschrickt sie und eilt in das Zimmer mit dem Weihnachtsbaum. Sie sucht den Stecker und findet ihn. Schon landet er in der Steckdose und Lichter in allen Farben leuchten auf. „Perfekt!“ murmelt Hexenmama ganz hingerissen. „Das sieht schrecklich aus! Mach es aus! Mach es aus!“ jammert quiekend eine Stimme. Hexenmamas Gesichtszüge entgleisen. Unter dem Kleid schaut eine kleine grüne Gestalt raus. „Polly, du unartiger Grinch! Na warte!“ Mit diesen Worten holt sie das Nudelholz aus der Schürze (ja, da passt sehr viel hinein) und möchte Polly ordentlich verhauen. Ich muss hinzufügen, dass Hexenmama dank langjähriger Erfahrung schnell und präzise mit dem Nudelholz ist. Polly schreit erschrocken auf, als der erste Schlag auf den Allerwertesten landet. So schnell wie es geht, rennt es (ein Grinch ist hier geschlechtslos) hinter dem Weihnachtsbaum. Es hofft, Hexenmama würde den Weihnachtsbaum treffen, dann wäre dieser Alptraum in Bunt endlich vorbei. Doch Hexenmama ist präzise. Der zweite Schlag sitzt. Die Szene wird abrupt unterbrochen: „HUNGER! HUUUUNNGGEERR!“ Und eins kann Hexenmama nicht widerstehen: arme unschuldige Geschöpfe mit Hunger. Eine Fledermaus huscht im Flug vorbei – Flederiko. „Mhm, duftet das gut!“ Und landet geschickt auf dem Küchentisch neben den Plätzchen. Das Gesicht von Hexenmama wird ganz weich: „Ach Flederiko, wie schön dich zu sehen. Du hast das letzte Mal so schnell die Flatter gemacht. Da flattert mir immer noch das Herz.“ „Ich weiß, mir wurde auch ganz flatterig“, erwidert die Fledermaus und beißt herzhaft in ein Plätzchen. Und spuckt es wieder aus: „Bääääh, was ist denn da drin? Ist ja total versalzen!“ „Wie bitte? Versalzen? HEEEEXXXIIII!“ Langsam schlurft eine Frau herein. Sie ist groß, schlank und sexy – und schlurft. „Wat is?“ fragt sie verschlafen. „Hast du in der Zuckerdose Salz reingetan?“ „Nö.“ Hexi gähnt herzhaft. „Frag mal Schnuppe. Übrigens sind die Rentiere wieder abgehauen.“ Ohoh! Das klingt nach großem Ärger für Schnuppe!
„Hat jemand meinen Namen gesagt? Hat jemand meinen Namen gesagt? Wer? Wer?“ Ein Rammler rast auf einmal durch die Küche, quer unter dem Tisch, um die Beine und knallt dann mit einem lauten Plonk gegen den Kühlschrank. Dabei hinterlässt er eine Drecksspur, dass Hexenmama erbleicht. Flederiko flattert los und sah sich die Bescherung von oben an. Polly kommentiert schadenfroh das Geschehen: „Ja, ein Drecksspatz! Super! Endlich wird es mal so richtig gemütlich! Endlich…“ Hexenmama schlägt einmal mit dem Nudelholz zu und Polly war still. Der Unglücksrammler entpuppt sich als Schnuppe. „Oh mein Kopf“, jammert er und torkelt umher. Dabei stößt er gegen den Tisch, die flüssige Schokolade für die Plätzchen gerät ins Taumeln und fällt hinunter – Schnuppe auf dem Kopf. Flederiko meint trocken: „Tja, jetzt haben wir einen Schokohasen zu Weihnachten.“ Hexenmama ist wütend: „Meine schöne perfekte Küche. HEEEEXXXIIII!“ Die Tochter schlurft in die Küche (wo kommt sie eigentlich so schnell her?): „Wat is?“ „Sieh dir an, was Schnuppe angerichtete hat.“ Hexi flippt total aus – vor Begeisterung: „Boah, wat für ein Schokohäschen! Voll lecker das Schnittchen!“ Und ehe es sich Schnuppe versieht, landet Schnuppe in den Händen von Hexi. Doch die Küche besteht aus Chaos, alles muss aufgeräumt werden. Hexenmama seufzt: „Alles muss aufgeräumt werden, das ist ein Chaos hier.“ Äh…schrieb ich das nicht gerade? „Natürlich hat du das geschrieben“, antwortet Hexenmama. Sie will die Küche wieder in einem perfekten Zustand haben. „Ich will die Küche in einem perfekten Zustand haben.“ Die Augen der Autorin öffnen sich weit vor Erstaunen: plappert jetzt die Hexenmama alles nach? Und wieso kann sie direkt mit der Autorin reden?
Carmi klappt vor Schreck den Bildschirm des Laptops um und blinzelt mehrmals. Sind wir hier in der „Unendlichen Geschichte“? „Nein, sind wir nicht“, bemerkt Hexenmama, „aber hier stimmt was nicht.“ „Ja, da hast du vollkommen recht.“ Mit diesen Worten flattert auf einmal eine Fledermaus im Zimmer der Autorin. Nicht schon wieder Psychos wie letztes Jahr! Ein vertrautes Puff ertönt und eine zauberhafte, wunderschöne, sympathische, freundliche, zurückhaltende, strahlende, brave, unschuldige Prinzessin steht im Zimmer. „Einen wunderschönen, zauberhaften Tag wünsche ich“, flötet sie mit einer glockenhellen, sanften Stimme. Sie schaut kurz zu der Fledermaus, welche wieder in die Geschichte verschwindet. „Ich möchte mich vielmals für diese Unstimmigkeiten entschuldigen. Leider ist beim Schreiben der Weihnachtsgeschichte einiges verwechselt worden.“ Carmi schaut nur, die untere Kinnlade begrüßt gerade den Erdboden – bildlich gesehen. „Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Atrox. Da ich zurzeit die einzige vernünftige Person im Weihnachtsgeschehen bin, wurde ich dazu auserkoren Euch behilflich zu sein.“ Die Autorin hüstelt kurz: „Und wie soll das geschehen?“ „Nun, wir müssen in das Amt für Weihnachtliche Geschichtsangelegenheit, in die Abteilung Interne Konfliktberatung.“ „Konflikt?“ „Nun, es ist leider eindeutig wahrnehmbar, dass zwischen Euch und Euren Figuren Konflikte vorliegen.“ „Yeah, KONFLIKTE! KONFLIKTE!“ Aus dem Laptop stürmt ein Plätzchenmännchen. „Wo ist das Christkind? KONFLIKTE! Yeah!“ „Oh nein!“ flötet Atrox prinzessinnenhaft, „das ist BosFen. Leider liegt auch hier ein Konflikt vor! „Yeah! KONFLIKTE!“ „Kann er auch was Anderes sagen?“ gibt Carmi genervt von sich. „Er wird uns am besten begleiten zur Abteilung Interne Konfliktberatung.“ „KONFLIKTE! Yeah!“ ruft BosFen wieder begeistert die gleichen Worte. „Können wir nicht noch einen normalen Begleiter haben?“ „Einen Moment“, vertröstet die Prinzessin. BosFen kreischt auf einmal und fällt um – ein kleines, graues, pelziges Tierchen trippelt um die Füße von Carmi. „Ein Hamster?!“ Ungläubig schaut sie. „Bitte, ich bin ein Calomyscus bailwardi, ein Echter Maushamster, doch nennt mich doch Steppi.“ Maushamster? Noch nie gehört!
Die Abteilung Interne Konfliktberatung ist vor und während Weihnachten sehr ausgelastet. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Angestellten Symptome von Überarbeitung zeigen. Atrox, Steppi und BosFen sowie Carmi landen inmitten einer „Burn-out-Party“. Lametta ist auf dem Flur und den Büros wild verteilt, kleine Weihnachtsbäume hängen an den Lampen krumm und schief. Der Abteilungsleiter genehmigt sich gerade eine Linie Zimt und zwar von der reinen Sorte – dem Ceylon-Zimt. „Oh, der haut richtig rein“, ruft der Leiter begeistert und schließt sich der spontanen Büropolonaise an. Stellen wir uns die Musik von den Atzen vor, wo die ganze Nacht gefeiert wird:
„Das ist wunderbar- Weihnachten das ganze Jahr. Wir feiern das ganz Jahr- Das ist so wunderbar…“
Die Prinzessin ist höchst prinzessinenhaft irritiert und einer Ohnmacht nahe. Das Plätzchenmännchen BosFen schreit begeistert auf: „PAARRRTYYY!“ und verschwindet unter dem Weihnachtskleid einer Angestellten. „Ach, er kann ja doch mehr als fünf Wörter“, bemerkt die Autorin trocken. Sie ist vom dem Wahnsinn so erschrocken, dass die Ereignisse vom letzten Jahr ihr wie ein Spaziergang vorkommen. Steppi schnüffelt aufgeregt und nimmt die weihnachtlichen Düfte geradezu euphorisch auf. Als die Polonaise zum zweiten Mal an den Besuchern vorbeikommt, kreischt die Angestellte mit BosFen unter dem Rock: „Ein Hamster! IIIEEEHHHH!“ „Ich muss doch sehr bitten – ich bin ein Echter Maushamster“, erwidert Steppi pikiert. Ganz hinten im Flur öffnet sich eine Tür, eine süße Angestellte in einem adretten Kostüm kreischt: „Könnt ihr mal leiser sein?! Es gibt ihr noch Leute, die arbeiten.“ Dann bläht sie die Backen auf und pustet los. Ein heftiger Windsstoß beendet die Polonaise sehr unsanft. Atrox stellt sie vor: „Das ist Babette, etwas gewöhnlich, doch mit Superkräften versehen. Leider ist ihr Temperament von der cholerischen Art.“ Die Prinzessin bedauert es, denn Babette arbeitet wirklich hart. Babette sieht ihre Besucher und zieht die Luft ein. Steppi, Atrox und Carmi werden durch den Sog angezogen und purzeln direkt vor Babette. „Mhm, einer fehlt noch!“ „PARTY!“ tönt es kreischend. „Ah ja, der ist also auch da.“ Babette wirkt zufrieden, zieht den Rock etwas höher und das Plätzchenmännchen verschwindet schnurstracks darunter.
Das Büro ist kahl, grau, trübsinnig – die richtige Umgebung für eine erfolgreiche Konfliktberatung. Babette holt unbequeme Holzstühle und stellt sie im Kreis. Die Besucher nehmen Platz. Die Konfliktberaterin liest mit hochgezogenen Augenbrauen die Akte „Carmi“ durch: „Wie ich den Unterlagen entnehme, haben wir es mit mehreren Konflikten zu tun. Zudem fehlen einige der Figuren.“ Die bekannte Wolke erscheint und die restlichen Figuren purzeln heraus. Hexi, die gerade Schnuppe genussvoll abschlabbert, guckt erstaunt: „Wat? Wieder woanders? Mann, ick habe so scheeen jeschlafen, brauchte mal eene Mütze voll Schlaf nach der janzenSchokoration.“ Schnuppe schaut ziemlich belämmert aus. Flederiko flattert wild umher: „Las mich auch mal!“ „Nö, du hattest schon, wa.“ Hexenmama erhebt drohend das Nudelholz: „Es wird brav geteilt, sonst…“ „Nun“, unterbricht Babette, „da haben wir einen gewaltigen Konflikt mit einem hohen Gewaltpotential.“ „Hey, das war nicht meine Idee, ich habe nur…“, verteidigt sich die Autorin. „Sie lassen Ihren Gewaltphantasien in den Geschichten aus – aber in einer Weihnachtsgeschichte, das Fest der Liebe!“ „Und Hiebe!“ bemerkt Polly keckernd. Babette wird wütend, zieht eine Möhre aus der Schublade: „Du darfst gleich alle Möhren futtern – voll Vitamin A und E!“ Schlotternd flüchtet Polly in den Papierkorb. „Will sich noch jemand mit mir anlegen?“ Sie schaut herausfordernd die anderen an, doch keiner traut sich ihren Blick zu erwidern. „Wunderbar“, flötet Babette mit ihrer zuckersüßesten Stimme, „dann können wir ja weitermachen.“ Und beißt kraftvoll in die Möhre. Puff – auf einmal sitzt statt einer Frau das schnuckeligste Häschen auf dem Bürostuhl, was die Welt je gesehen hat. Das Fell ist so flauschigbauschig, das die Hand beim Streicheln ganz verschwindet: Die Kulleraugen sind so kullerig, dass man spontan Liebesballaden vortragen möchte. Ein Ohr steht und eins klappt gerade um. „Och – wie niedlich!“ rufen alle im Chor, außer Polly, welches eine schlimme Allergie gegen süße Sachen hat. Es ist gut, dass es gerade im Papierkorb ist, so ist das Malheur in einem geschlossenen Behälter. Hexi ist sofort hin und weg – ein Schokohasi und ein Flauschihasi. Sie wähnt sich im 7. Himmel. Wird sie der Versuchung widerstehen können?
In einer anderen Abteilung, ein Stock höher ist der Weihnachtsmann zum vorweihnachtlichen Checkup. Gerade steht er auf der Waage, der Zeiger neigt sich bedenklich im roten Bereich und ächzt unter dem Gewicht. „Tsts“, tadelt leise die Ärztin, eine Zwergin mit freundlichen, grauen Augen, „die Zunahme ist bedenklich, sehr bedenklich.“ Dabei wackelt sie mit dem Kopf, notiert das Gewicht auf dem Zettel. „Die Höchstlast des Rentierschlittens wäre mit den Geschenken um 26% überschritten. Erlaubt sind nur 2%.“ Der Weihnachtsmann brummt unglücklich in seinem Bart. Und er stibitzt klammheimlich ein Plätzchen aus dem Geschenkesack. Die Waage bricht zusammen, der Boden ächzt und stöhnt. Risse bilden sich. Einer schlimmen Vorahnung folgend springt die Zwergin zur Seite auf das Fensterbrett. Der Weihnachtsmann landet eine Etage tiefer – mitten auf dem Papierkorb und auf Polly. Es schreit: „Nehmt ihn weg! Nehmt ihn weg! Ich hasse Weihnachten! Ich hasse den Weihnachtsmann! Buuuhuuuuu!“ Peinlich und hochrot sitzt der Weihnachtsmann da und nagt verlegen an seinen Keks. BosFen ist entsetzt: „Der isst meinen Kumpel!“ Babette, welche von Hexi gerade zwangsgestreichelt wird, verwandelt sich umgehend in die Bürofrau. Leider rechnet Hexi nicht mit einer plötzlichen Gewichtszunahme auf ihren Schoß und so landet Babette unsanft mit dem Allerwertesten auf dem Boden. Hexenmama wähnt jemand in Not und schwingt drohend das Nudelholz: „Wer isst hier wen? Hier wird niemand gegessen!“ Flederiko muss eifrig dem schwingenden Nudelholz ausweichen, denn Hexenmama eine sehr große Reichweite. Schließlich flüchtet er an der Lampe. Steppi ist sehr lärmempfindlich und flüchtet unter dem Kleid von Atrox. Diese wiederum steht vor Schreck auf und schreit höchst prinzessinnenhaft: „Eine Maus! Eine Maus!“ „Echter Maushamster, bitte“, wispert Steppi leise. Sternschnuppe, welches inzwischen saubergeleckt ist, nutzt die Gunst der Stunde und klaut unbemerkt den Geschenkesack. Schadenfroh versteckt er sich unter dem Schreibtisch und steckt die Nase in den Sack. Und inmitten dieses Trubels flattert aus der bekannten Wolke eine kleine, dicke Frau – Lea, die Weihnachtsfrau. Kopfschüttelnd sieht sie sich das Chaos an. Jeder schreit oder versteckt sich. Wie gut, dass Lea da ein gutes Gegenmittel hat – Kekse! Flink, was man ihrer Leibesfülle gar nicht zutraut, rennt sich von einer Figur zur nächsten und stopft mit den größten Keksen allen den Mund. Carmi nimmt die Gelegenheit war und will gerade dem Wahnsinn entfliegen…äh…schleichen, doch nicht mit Lea. Wie einen Shuriken (japanischer Wurfstern) wirft sie sternförmigen Kekse und versperrt der Autorin den Weg, denn die Tür lässt sich nicht öffnen. Wird sie dennoch entkommen?
Nein, sie entkommt nicht. Stattdessen hockt die Autorin vor der verschlossenen Tür und knabbert hingebungsvoll den Keks von Lea. „Boah, sind die lecker, echt dufte“, lobt Hexi die Kekse. Der Weihnachtsmann quält sich aus dem Papierkorb und Polly steckt leider zwischen den rieseigen Pobacken fest. „Holt mich hier raus! Ich bin im A… vom Weihnachtsmann! Bäh!“ tobt Polly. „Tja“, meint Hexenmama, „das ist nicht gerade die beste Position.“ Alle lachen. Dank dem Nudelholz und der Hebelkraft wird Polly von Hexenmama befreit. Babette befehlt den Leuten vom Aufräumkommando den Dreck zu beseitigen, die anderen werden fleißig weiter mit Leas Keksen ruhiggestellt. Diese Psychokekse werden nach einem Geheimrezept vom Oberkobold des Weihnachtsmannes hergestellt. Man munkelt, er wäre aus der Hippie-Szene. Endlich ist die Ordnung wieder hergestellt, nur das Loch in der Decke klafft weiterhin offen. Die Zwerginärztin verdrückt sich lieber. Babette stellt die Holzstühle ordentlich hin und weist jedem einen Platz zu. Die Unterlangen in der Hand geht sie noch mal durch: „Wo waren wir? Ach ja – Hexenmama und Gewaltpotential. Ich muss dafür die Ursache finden.“ Scharf schaut sie Carmi an, welche genervt die Augen rollt: „Die Hexenmama verhaut immer alle.“ „Wirklich?“ Hexenmama springt auf und fuchtelt mit dem Nudelholz: „Alles, was ich wollte, war ein perfektes Weihnachtsfest. Ist denn das zu viel verlangt.“ Alles, was Hexenmama will, ist ein perfektes Weihnachtsfest. Babette mahnt: „Keine Doppelheiten bitte, Carmi. Du brauchst nicht alles zu wiederholen.“ „Aber – aber – die Hexenmama hat doch…“ „Typischer Fall für einen internen Konflikt. Folgendes ist zu beachten: Hexenmama werde keine weiteren Gewaltausbrüche mehr zugeschrieben. Die Prügelsmilies sind ab sofort untersagt.“ „Och, wie schade“, findet Hexenmama. Das Nudelholz liegt so gut in der Hand. „Einer fehlt doch.“ Babette zählt durch: „Wo ist Schnuppe?“ Polly sieht unter dem Schreibtisch den Geschenksack und verräterische Bewegungen darin. „Da! Da!“ petzt Polly. „Dieser schreckliche Geschenkesack! Pfui!“ „Im Geschenkesack? IM GESCHENKESACK?!“ Oh nein, Babette wird wieder cholerisch! Sie steht auf und schüttelt Schnuppe unsanft auf dem Sack: „NIEMAND HAT IM GESCHENKESACK DES WEIHNACHTSMANNES WAS ZU SUCHEN! IST DAS KLAR?!“ Schnuppe lässt seine Ohren hängen und schaut ganz bedröppelt drein. Doch Hexi, Verteidigerin und Klauerin aller Häschen, steht plötzlich hinter Babette. Was wird sie tun?
Hexi schnappt sich schnell das Nudelholz von der Mama und holt damit weit aus. „Stop!“ ruft Babette und Hexi erstarrt. „Tsts, wieder ein Gewaltausbruch.“ Tadelnd sieht Babette Carmi an. „Tschuldigung, aber wenn Sie so ausrasten.“ „Ich muss hier ernsthafte Maßnahmen ergreifen. Zuerst wird dieses unsägliche Nudelholz entsorgt, doch das geht nur im Ausgangszustand.“ Plop – und das Nudelholz ist wieder in Hexenmamas Hand. Hexi kann sich wieder normal bewegen und mault rum: „Mann, wejen een bisschen Holz so een Uffstand. Nee nee, wat für een Zicke, wa?“ Babette beschließt umgehend, dass nur eine Amputation des Nudelholzes das Gewaltpotential erheblich verringern kann. Die Autorin und Hexenmama müssen umgehend in die Abteilung für „Entfernte Verwandte“. Carmi lacht sich eins: „Wer hat denn diesen Namen erfunden?“ „Na, wer wohl?“ erwidert Babette bissig. Steppi ist neugierig und versteckt sich unter Babettes Rock. Schließlich will der Echte Maushamster doch die kriminalistische Neugier befriedigen. Ein Kobold oder Elf oder Zwerg – die Gattung ist nicht genau feststellbar – sieht sich das Nudelholz und Hexenmama an und schüttelt den Kopf: „Kein Entfernung möglich. Muss was Anderes machen. Es kommt nur eine Substitutionstherapie in Frage.“ Die Autorin jubelt: „Ich habe wieder ein Fremdwort reingebracht.“ Steppi luchst unter dem Rock hervor. „Ah – eine Maus! Eine Maus!“ schriet der Kobold oder Elf oder Zwerg auf und flüchtet auf einen Stuhl. Wie es sich gehört, kreischt er in höchsten Tönen und hüpft theatralisch auf und ab. Der Maushamster bleibt gelassen, solche Ausbrüche ist Steppi inzwischen gewöhnt: „Bitte, ich bin ein Echter Maushamster. Mit Mäusen habe ich nichts gemein.“ Und trägt die kleine Knopfnase etwas höher. Lea kommt wegen dem Geschrei angewackelt und schleppt einen Beutel voll Kekse mit und seufzt: „Hach, so viele Münder sind zu stopfen.“ Sie wählt aus dem breiten Sortiment ein Beruhigungsplätzchen aus und stopft damit den Mund des Kobolds/Elfs/Zwerges. Doch auch Polly rennt mit den kurzen Beinchen hinterher, denn eine Amputation verspricht doch endlich gruselige Unterhaltung, genau das richtige zum perfekten, harmonischen Weihnachtsfest. Der Kobold/Elf/Zwerg knabbert genüsslich den Keks und wirkt gerade zu high. „Oh, diese Lichter.“ „Welche Lichter?“ fragen sich alle. „Huch, hab’s vergessen“, meint die Autorin und schreibt einen wunderschönen, geschmückten Weihnachtsbaum in die Abteilung „Entfernte Verwandte“. Und benennt die Abteilung in „Entfernung unerwünschter Elemente“ um. „So“, fängt der Kobold/Elf/Zwerg an und reibt sich die Hände, „ich ersetze das Nudelholz durch einen harmlosen Gegenstand – durch diesen bunten Staubwedel!“ Er präsentiert einen Staubwedel mit bunten Papageifedern. „Oh, der ist aber hübsch!“ Hexenmama ist sofort begeistert. Und alle sind erleichtert, denn ein Staubwedel tut nicht so weh wie ein Nudelholz. Dagegen ist Polly gar nicht begeistert. „Mach eine Axt ran! Ein Messer! Oder eine Kettensäge!“ geifert es. Babette belehrt: „Wir sind hier nicht in einem Horrorfilm. Doch wegen dir müssen wir umgehend etwas unternehmen. Leider verbreitest Du nicht den harmonischen Geist des Weihnachten.“ Pollys Ohren hängen nach unten – ein Zeichen absoluter Betrübtheit. Was wird Babette unternehmen?
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