Hallo,
ich möchte mit diesem kleinen Erfahrungsbericht mal aufzeigen, wie sehr wir - oder ein Teil von uns - einige Dinge zu sehr verallgemeinern, obwohl das nicht - oder auf einen großen Teil nicht - zutrifft.
Es geht um die Aussage:
Wenn sich das Kaninchen an fremden Orten befindet, bedeutet das für dieses Stressweil eben: Kaninchen sind Fluchttiere und fühlen sich in ihrem eigenen zu Hause am Wohlsten.
Das "Experiment" :Da ich ja als Pionierin im BD tätig bin, wurde ich dann eines Tages von einem naheliegenden Verein angefragt, ob ich denn nicht mal eine Vorführung geben konnte. Eigene Tiere habe ich keine, leih mir die aber bei einer Freundin, die zusammen mit mir trainiert. Da ich aber schlecht "nein" sagen konnte (es ist ja nunmal auch Werbung und man spricht die Leute durch so eine Vorführung gezielt an) habe ich zugesagt. Sollten die Tiere tatsächlich unheimlich gestresst sein, dann hätten wir die Möglichkeit, diese wieder nach Hause zu bringen. War ja nur ein 10 - Minütiger Fußweg bis nach Hause.
Als der große Tag gekommen war, waren wir natürlich total aufgeregt. Haben Transportboxen und Gitterelemente für die Tiere mitgebracht,sowie die Partnertiere von den "Vorführtieren" damit niemand alleine sein musste und sie auch ungestört Auslauf hatten.
Ich habe dann die damals kleine "Esperanza" zum allerersten Mal in einer anderen Umgebung trainieren lassen. Um Stress von Anfang an zu verneiden gibt es bei mir eine kleine Übung vor dem Training, nach der ich immer ganz genau weiß, ob sich die Tiere motivieren lassen - oder eben nicht.
Esperanza hat mich überrascht: Das Kaninchen hat von Anfang an super mitgearbeitet, die fremde Umgebung war ihr gleich, sie musste eben nur bei mir sein. Dann habe ich einen Schüler gebeten, sich mal neben uns zu stellen und zu applaudieren, ich wollte sehen, wie sich das Tier da verhält, das Egebnis war..beeindruckend !


(Bei der Aufnahme dieser Bilder waren noch nicht so viele da. Wie man sieht konnte Esperanza diese Übungen ausführen - ohne Leckerli vor der Nase, ohen Leine, sondern wirklich nur aus eigenem Antrieb heraus)
Als dann tatsächlich Zuschauer da waren, war sie, genauso wie unsere anderen Tiere, total entspannt:
Was sagte mir diese Erfahrung?Ganz einfach: Es gibt tatsächlich die Sorte von Kaninchen, welche sich an fremden Orten trainieren lässt. Natürlich sind
nicht alle Tiere gemeint, aber es ist doch schon ein Großteil der Kaninchen, die sich leicht zum Training motivieren lassen. Hier mal ein paar weitere Beispiele:
Mein allerestes Seminar habe ich auch an einem für die Tiere fremden Ort gehalten und wie man sieht, sind die Tiere total entspannt geblieben:

Das merkt man daran, dass sie sich für den Halter (oder das Futter) interessieren und die Ohren sind aufrecht. Angelegte Ohren können ein Anzeichen von Stress sein. Auch hier hatten wir Gitterelemente, in denen wir die Tiere notfalls "parken" konnten. das haben auch bei den Tieren gemacht, die sich etwas leichter ablenken ließen.
Auch an einer anderen Veranstaltungen konnten die Tiere trotz fremder Umgebung und Ablenkung trainieren, das ist für mich das gelungenste Bild:

Die kleine Esperanza ist jedoch nun schon ganz doll gewachsen. Für mein Bunnydance-Buch machen wir ab und an auch Bilder auf dem freien Feld. Dass das Tier sich tatsächlich schön konzentreiren kann, kann man z.B. auf diesem aktuellen Video sehen:
http://www.youtube.com/watch?v=91FaQy1egyg&feature=youtu.be(Wir hatten eine lange Trainingspause, weswegen sie da mehr Handzeichen benötigt hat, gestern aber gings wieder ganz gut)

Vielleicht regt euch dieser kleine Erfahrungsbericht ja zum nachdenken an. Ich werde auf jeden Fall jetzt vorsichtiger sein, wenn ich diesen Satz äußere und ihn dann mit: "generell ja, aber es gilt nicht für alle Kaninchen!" korrigieren. Früher war ich eben wegen dieses Grundes auch der Auffassung, das Vorführungen nur Stress und totale Tierquälerei für Kaninchen bedeuten. Das sehe ich jetzt nicht mehr so, obwohl es natürlich auch Fälle gibt, wo das tatsächlich der Fall ist.
Für alle die fragen, was denn jetzt die Vorführung gebracht hat: Es waren tatsächliche viele Interessenten da, die das auch unbedingt ausprobieren wollten und mit denen ich Kontakt halte, so kann man den Menschen auch viel eher auf artgerechte Kaninchenhaltung ansprechen und diese dann noch schmackhafter machen, wenn die Menschen erkennen das "das Kanicnhen ja doch mehr kann!"
Mit freundlichen Grüßen,
Janiene - die gespannt auf eure Antworten ist.